Bye Bye Brachvogel – seltene Vögel in der Region sterben aus

Im Neuburg-Schrobenhauser Land finden seltene Vögel immer weniger Lebensraum. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) schlägt Alarm, das Landratsamt versucht sich in kuriosen Wegen und das Umweltministerium setzt auf restaurierte Programme aus den 80ern. Ein Überblick:

Die Ausgangslage

Der LBV Neuburg-Schrobenhausen äußert sich auf RT1-Anfrage zur aktuellen Lage in der Region:“Falls sich in der landwirtschaftlichen Nutzung des Donaumooses nichts ändert, sind Großer Brachvogel, Kiebitz und Wiesenpieper sehr stark gefährdet.“, sagt der stellvertretende Kreisvorsitzende Ulrich Mayer. Gründe dafür sind „die derzeitige landwirtschaftliche Nutzung mit Monokulturen, immer größeren Flächen, der Pestizideinsatz, Wirtschaftswiesen mit bis zu 6-maliger Mahd und permanenter Düngung mit Gülle. Dies führt zu Verlusten an artenreichen Blumenwiesen, damit Samen und Insekten, die den Vögeln als Nahrungsquelle dienen.“ Ein Großteil der gefährdeten Tiere braucht Wiesen, auf denen sie ungestört und geschützt brüten können.

Was wird gemacht?

Das Bayerische Umweltministerium setzt auf das Vertragsnaturschutzprogramm (VNP). Der Plan kurz zusammengefasst: Landwirte stellen für fünf Jahre Wiesen, Weiden, Äcker, etc. für den Naturschutz zur Verfügung. Sie mähen in vorgeschriebenen Intervallen und verzichten auf Dünger und Gülle. Dafür bekommen sie pro Hektar Geld. Bei einer Wiese, die bis zum 1. September nicht geschnitten wird, winken 425€/Hektar, plus Zulagen, zum Beispiel wenn mit der Hand geschnitten wird. Das VNP stammt eigentlich aus den 80er Jahren, wurde aber 2015 reformiert. Ein Sprecher des Ministeriums erklärt es in einem Schreiben an HITRADIO RT1 zu einem „wirksamen Programm“ für Wiesenbrüter. „Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen waren 2017 insgesamt 1.995 Hektar im VNP, davon 1.600 Hektar Wiesen. (…) Seit 2009 gab es im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen einen Flächenzuwachs um 405 Hektar.“ Laut LBV sind die Vogelzahlen dennoch rückläufig.

Gutscheine für Naturschutz

Das Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen versucht sich seit 2015 in einem ungewöhnlichen Versuch. Ähnlich wie beim VNP sollen Landwirte beschenkt werden, die sich dem Naturschutz verschreiben. Konkret bekommt ein Landwirt, der aktiv etwas für Wiesenbrüter tut, Einkaufsgutscheine in ‚Neuro‘. Diese sind in vielen Neuburger Geschäften einlösbar. Wenn ein Landwirt das Nest eines Großen Brachvogels, eines Kiebitzes oder einer Bekassine findet, meldet er das an die untere Naturschutzbehörde. Sollte aus dem Nest ein Jungtier hervorgehen, bekommt der Landwirt einen Gutschein über 50 ‚Neuro‘, pro Nest versteht sich. Vergangenes Jahr bekamen dem Landratsamt zufolge vier Landwirte insgesamt acht Gutscheine.

Wer sich zu der Aktion des Landratsamtes weiter informieren will, bekommt Auskünfte bei der unteren Naturschutzbehörde unter: (08431) 57-304

(ff)

 

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https://www.rt1.de/bye-bye-brachvogel-seltene-voegel-in-der-region-sterben-aus-61671/
2018-04-12T10:10:05+02:00
HITRADIO RT1 Augsburg